Neapel ist eine Stadt, die man liebt oder zunächst überfordernd findet, meistens beides. Die drittgrößte Stadt Italiens besitzt eines der größten historischen Zentren Europas, ist UNESCO-Welterbe und Geburtsort der Pizza. Hinter bröckelnden Fassaden verbergen sich barocke Kirchen, unterirdische Gänge und ein Lebensgefühl, das es so nirgendwo sonst gibt. In Teil 1 unseres Guides geht es um die Stadt selbst. In Teil 2 stellen wir dir Pompeji, den Vesuv, Capri und die Amalfiküste vor.
Spaccanapoli und das Centro Storico
Die schnurgerade Straße Spaccanapoli teilt die Altstadt in zwei Hälften und folgt noch dem Verlauf der antiken griechischen Stadt Neapolis. Entlang der Via San Biagio dei Librai und der parallelen Via dei Tribunali reihen sich Kirchen, Paläste, Pizzerien und Läden. Der Kreuzgang von Santa Chiara mit seinen bunten Majolika-Fliesen ist eine Oase der Ruhe.
In der Via San Gregorio Armeno stellen Handwerker das ganze Jahr über Krippenfiguren her, von klassischen Hirten bis zu Fußballstars und Politikern.
Cappella Sansevero und der verschleierte Christus
In der kleinen Cappella Sansevero befindet sich eine der beeindruckendsten Skulpturen Italiens: der Cristo Velato (verschleierter Christus) von Giuseppe Sanmartino aus dem 18. Jahrhundert. Der Schleier aus Marmor wirkt so durchsichtig, dass man kaum glauben kann, dass er aus Stein gemeißelt ist. Tickets solltest du online reservieren, die Kapelle ist klein und beliebt.
Dom und San-Gennaro-Wunder
Im Dom von Neapel wird das Blut des Stadtpatrons San Gennaro aufbewahrt. Dreimal im Jahr, unter anderem am 19. September, soll sich das getrocknete Blut verflüssigen. Gelingt das „Wunder“ nicht, gilt dies als schlechtes Omen für die Stadt.
Napoli Sotterranea: die Unterwelt
Unter Neapel erstreckt sich ein Netz aus Gängen, Zisternen und Höhlen, das bereits die Griechen nutzten. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Tunnel als Luftschutzräume. Bei einer Führung durch Napoli Sotterranea oder die Galleria Borbonica steigst du Dutzende Meter in die Tiefe. Auch die Katakomben von San Gennaro im Viertel Rione Sanità lohnen sich.
Archäologisches Nationalmuseum
Das Museo Archeologico Nazionale beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen antiker Kunst der Welt, darunter viele Funde aus Pompeji und Herculaneum wie das Alexandermosaik. Der Besuch ist eine perfekte Vorbereitung auf einen Ausflug zu den Ausgrabungen.
Quartieri Spagnoli und Maradona
Die Quartieri Spagnoli sind ein Gewirr aus engen Gassen mit Wäscheleinen zwischen den Häusern. Hier steht das berühmte Wandbild von Diego Maradona, der den SSC Neapel in den 1980er-Jahren zu zwei Meistertiteln führte und bis heute verehrt wird. Die Gegend ist tagsüber gut besuchbar und voller kleiner Lokale.
Am Meer: Castel dell'Ovo und Lungomare
Das Castel dell'Ovo auf einer kleinen Insel im Golf ist die älteste Burg der Stadt. Der Legende nach liegt ein magisches Ei in ihren Fundamenten, das die Stadt beschützt. Entlang des Lungomare und im Viertel Santa Lucia flanierst du mit Blick auf den Vesuv. Ganz in der Nähe liegen die Piazza del Plebiscito, der Königspalast und die Galleria Umberto I.
Vomero und Castel Sant'Elmo
Mit einer der Standseilbahnen fährst du auf den Hügel Vomero. Vom Castel Sant'Elmo und der Kartause San Martino hast du den besten Blick über die Stadt, den Golf und den Vesuv.
Pizza napoletana und Streetfood
Die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers ist UNESCO-Kulturerbe. Eine echte Pizza napoletana hat einen weichen, luftigen Rand und wird nur rund 60 bis 90 Sekunden im Holzofen gebacken. Klassiker sind die Margherita und die Marinara. Bekannte Pizzerien liegen in der Via dei Tribunali, Wartezeiten sind normal. Probiere außerdem:
- Pizza fritta: Frittierte, gefüllte Pizza
- Cuoppo: Eine Tüte mit frittierten Meeresfrüchten oder Gemüse
- Sfogliatella: Muschelförmiges Blätterteiggebäck mit Ricotta-Füllung
- Babà: In Rum getränkter Hefekuchen
- Caffè: In Neapel stark, kurz und oft sehr süß getrunken
Sicherheit in Neapel
Neapel hat einen schlechten Ruf, die Innenstadt ist für Touristen aber in der Regel sicher. Achte auf Taschendiebe in Bussen, der Metro und rund um den Bahnhof Garibaldi. Trage keine teuren Uhren offen und halte dein Handy fest, besonders an Straßen mit Rollerverkehr.
Unterkunft
Für Sightseeing wohnst du am besten im Centro Storico. Ruhiger und eleganter sind Chiaia und Vomero. Die Gegend um den Hauptbahnhof ist günstig, abends aber weniger angenehm.
Häufige Fragen
Wie viele Tage brauche ich für Neapel?
Mindestens zwei bis drei Tage für die Stadt. Mit Ausflügen nach Pompeji, auf den Vesuv und nach Capri plane eine Woche ein.
Wann ist die beste Reisezeit für Neapel?
April bis Juni und September bis Oktober. Im Juli und August ist es sehr heiß.
Wo isst man die beste Pizza in Neapel?
Die bekanntesten Adressen liegen in der Via dei Tribunali und rund um den Bahnhof. Viele kleine Pizzerien in den Vierteln sind ebenso gut und weniger überlaufen.